Dass regionale Literatur alles andere als provinziell ist, kann man sich schnell erlesen! Der WOLL-Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, mit seinem Programm das literarische Schaffen im Sauerland zu repräsentieren und Sauerländer Autoren eine Plattform zu geben, auf der sie ihre Werke im Zeichen ihrer Heimat veröffentlichen können. Zwischen tausend Bergen und ebenso vielen Tälern entsteht so manch Lesenswertes. Informieren Sie sich über die Vielfalt der Sauerländer Literatur – gerne können Sie auch via Mail eine Übersicht unseres umfangreichen Programms bestellen!
Stoppelfeld – Hellmut Lemmer
Sündenbock
In unscheinbaren Pappordnern bräunlich-grauer Färbung erreichen einige der schlummernden Dokumente aus der Zeit des Balver Hexenwahns den Münsteraner Lesesaal des LWL Archivamts für Westfalen.Ganz klar ist dieses Buch ein frei erfundener Roman – jedoch fußt seine Handlung auf den Überlieferungen und Akten aus dem ehe-maligen Amt Balve. Die Bettlerin Anna im Dreck, eines der ersten tatsächlichen Opfer des Hexenwahns, die Bürgermeisterin [deren Name Anneken Flörken aus einem Brief und dem Gedicht von Josef Pütter „Wachtläuh-Räusen“ („Wachtloh-Rosen“) zusammengesetzt wurde] und das Personal des Gerichts wie Henrich Roeßen und Johannes Höyngk sind historische Personen, ebenso ist das verübte Attentat auf den ungeliebten Hexenkommissar Caspar Reinhartz eine überlieferte Tatsache wie auch die dargestellten Abläufe der Prozesse. Auch wenn die Charaktere, die hier agieren, natürlich nicht vollends mit den historischen Vorbildern überein-stimmen können und werden.Die Überlieferung für das Amt Balve ist im Vergleich zu anderen Städten, trotz zahlreicher Stadtbrände und Wirren der Zeiten, recht gut erhalten. Das Archiv aus dem Sitz des Balver Drosten, dem Schloss Melschede, das unter anderem über die Prozesse Auskunft gibt, ist nach Münster umgezogen und lagert dort gut verwahrt in den Händen der Archivmitarbeiter. Erhalten sind unter anderem das Protokoll eines Verhörs, in dem eine Catrin Koening aus Affeln ihren Peinigern Rede und Antwort steht, aber auch die kalte, juristische Korrespondenz zwischen den rechtlichen Organen, die über die Schicksale der verdächtigen „Zauberischen“ zu entscheiden hatten. Briefe des Balver Richters Johannes Höyngk an seinen „hochedelgeborenen, strenggebietenden Herrn Droste“, Ferdinand von Wrede, dem Nachfolger Stephan von Wredes, unter Bezugnahme auf den Rat des Lizentiaten Caspar Reinhartz, sind ebenfalls erhalten und nennen Namen der zweiten großen Verfolgungswelle in den 1650er Jahren.Erschrocken war ich tatsächlich kurz nach meinem ersten Besuch 2011 im Münsteraner Archiv, als mir gleich auf der ersten Seite des Berges an Briefen Höyngks in fast unleserlicher Schrift und in verschachteltem Deutsch ein Name entgegenleuchtete, der mir nur allzu vertraut war – auch wenn ich zweimal hinsehen und ihn mühsam entziffern musste. Denn auch ein Grevener, ein gewisser Herman Grevener, hat sich offenbar zu dieser Zeit etwas zuschulden kommen lassen. So wurde der Wahn plötzlich auf eine sehr persönliche Ebene hinabgebrochen, denn meine Familie hat ihre Wurzeln im Balve benachbarten Garbeck. Dieser Herman Grevener könnte also einer meiner direkten Vorfahren sein. Schon zuvor hatte ich mich bei der gewaltigen Anzahl an Opfern und der recht kleinen Bevölkerungszahl gefragt, ob jemand aus meiner Familie den letzten schweren Gang zum Balver Galgenberg hatte gehen müssen. Immerhin starb jeder zwanzigste Einwohner (die Einwohnerzahl des Amtes Balve wird auf 6000 geschätzt) in den Mühlen der damaligen Justiz. Aber einen konkreten Hinweis in den Gerichtsakten auf einen Vorfahren zu finden, der in verblichener Tinte plötzlich vor mir stand, war dann doch ein emotionaler Moment.Ob Herman Grevener als Zauberischer verurteilt wurde, steht nicht im Brief des Richters, nur seine Bestrafung. Herman Grevener wurde gebrandmarkt, mit Ruten „außgestrichen“ und dann des Landes verwiesen. Wahrscheinlicher ist eine Verurteilung in Bezug auf sein mögliches Amt als „Procurator“ (eine Art „Anwalt“ und Rechtsberater), der seiner Partei wissentlich einen gefährlichen Weg bei ihrem Prozess geraten hat. Die Carolina, die Peinliche Halsgerichtsordnung Karls V., die damals gültige Rechtsordnung, nennt die gegen Herman Grevener verhängten Strafen zumindest im Artikel 115, in dem es um diesen Straftatbestand geht, und ein weiterer Grevener ist als „Dorfrichter“ überliefert. Der erfundene Thonis Schulte, der Vater meiner Heldin Marie, basiert auf diesem Fund.Sicherlich wird es so mancher Familie aus Balve, Affeln, Garbeck, Mellen und weiteren Orten des alten Amtes Balve so gehen, wenn sie in dieses Buch schauen. Denn immer wieder tauchen Namen auf, die sich bis heute erhalten haben. Der Hexenwahn des 16. und 17. Jahrhunderts betrifft also direkt noch viele ansässige Familien, wird plötzlich persönlich greifbar, auch wenn er schon vor einigen hundert Jahren stattgefunden hat.
Tour de Provinz
Das vorliegende Buch, ein literarischer Reiseführer zu besonderen Orten in der Soester Börde, war eines der aufwendigsten Buchprojekte des „BördeAutoren e.V.“. Die Absprachen über Orte, Figuren und Geschichten, die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten und ihr Engagement für das große Ganze haben die Charaktere und ihre Abenteuer erst lebendig und möglich gemacht. Neben kuriosen Charakteren mit teils haarsträubenden Motiven, bestimmte Orte aufzusuchen, spielen die jeweiligen Sehenswürdigkeiten ihre besondere Rolle in den Geschichten. Sie sind Teil und bedeutend für das Abenteuer. Denn sie sagen nicht nur dem erfolglosen Archäologiestudenten, den verhinderten Liebespärchen, deprimierten Rentnern oder dem einen oder anderen halbseidenen Ganoven im Bus etwas, sondern auch ihren Schöpferinnen und Schöpfern, die als Autorinnen und Autoren nicht nur in der Börde leben, sondern ihr in ihren Werken literarisches Leben einhauchen. Der schreib- und literaturverliebte Verein ist ein Teil der kulturellen Landschaft in und um Soest geworden. Vielleicht sind es nicht immer touristisch erschlossene, gemeinhin bekannte Orte, die unser BördeBus ansteuert, aber alle haben ihren eigenen Zauber, ihre Bedeutung oder ihren Platz in der Geschichte – und ermöglichen eine Begegnung mit dem Menschlichen – oder seinen Abgründen.
Durch die Augen der Charaktere vermitteln diese Orte die Faszination für die Gegend rund um die alte Hansestadt Soest, bis nach Lippstadt, zur Wewelsburg und zum Rand des Sauerlands. Es geht – nicht nur inhaltlich, sondern auch metaphorisch gesehen – von Nord nach Süd, von Ost nach West, in luftige Höhen, unter die Erde und zurück in die Vergangenheit – was die Zukunft wohl für die Reisenden bringt?
Trauerwissen kurz und knapp
Und Oma wohnt nebenan
Unnütze Fakten Bier – Solltest Du kennen
VIPiS VERY IMPORTANT PERSONS im SAUERLAND
VERY IMPORTANT PERSONS im SAUERLAND
Was haben Thusnelda, die Tochter des Cheruskerfürsten Segestes, und Wilhelmine Lübke, die Frau des zweiten Bundespräsidenten Heinrich Lübke, gemeinsam? Sie stammen beide aus dem Sauerland. Die eine wurde im ersten Jahrhundert auf der Eresburg in Marsberg geboren, die andere 1895 als Wilhelmine Keuthen in Ramsbeck. So, wie diese beiden Frauen in die deutsche Geschichte eingegangen sind und als „Sauerländerinnen“ in Erinnerung bleiben, trifft das auch für viele andere Frauen und Männer aus dem Sauerland zu. Christel Zidi und Sabina Butz haben 19 Sauerländer Persönlichkeiten aus den vergangenen 2.000 Jahren ausgewählt und ihre Geschichten aufgeschrieben.
Vor der Befriedigung heimlicher Neugier, etwas über mehr oder weniger berühmte Sauerländerinnen und Sauerländer zu erfahren und darüber, wer da wohl dazugehöre, sollten die Leser und Leserinnen dieses Büchleins wissen: „VIS = Very important Sauerländer oder Sauerländerinnen“ erhebt nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Abhandlung zu sein. Die Autorinnen Christel Zidi und Sabina Butz weisen in ihrem Vorwort ausdrücklich auf ihren geschichtswissenschaftlichen Laienstatus hin. Sie haben die Geschichten mit sachkundiger und kooperativer Hilfe der jeweiligen Ortsheimatpfleger oder Ortsheimatpflegerinnen erstellt. Ihr Wunsch: „Vielleicht gewinnt der eine oder andere durch die Lektüre sogar Interesse und Freude an der Sauerländer Regionalgeschichte.“









